Bei der Hauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr richtet Gesamtkommandant Philipp Haberstroh sehr deutliche Worte an Bürgermeisterin Holzmüller. Ein Ultimatum habe er aber nicht gestellt, erklärt er.
Badische Zeitung Ulrich Senf Mo, 23. Mär 2026, Efringen-Kirchen

Philipp Haberstroh, Gesamtkommandant der Feuerwehr Efringen-Kirchen Foto: Hannes Lauber
„Aber weil man als Kommandant sowieso das ganze Jahr damit beschäftigt ist, sich auf das Wesentliche, Positive zu konzentrieren und über Macken hinwegsehen muss, werde ich das in dem Fall auch tun – zumindest bis Montag.“ Mit diesen Worten hatte Gesamtkommandant Philipp Haberstroh am Freitag seine direkte Ansprache an Bürgermeisterin Holzmüller im Rahmen der Feuerwehrversammlung beendet. Was in den Ohren der Mitglieder wie die Ankündigung seines Rücktritts klingen musste, habe er aber nicht so gemeint, erklärt Haberstroh am Montag auf Nachfrage. Als Ultimatum an die Bürgermeisterin seien die Worte nicht zu verstehen gewesen.
Probleme zwischen Gemeinde und Feuerwehr haben sich zugespitzt
Aus seinem Ärger über das Miteinander macht er allerdings auch am Montag keinen Hehl. In den vergangenen Wochen und Monaten, als es unter anderem um die neue zentrale Feuerwache in Efringen-Kirchen ging, habe sich die Situation ein weiteres Mal zugespitzt, erklärte er, ohne Interna zu nennen.
Aufgefallen war allerdings bei der offiziellen Bekanntgabe des Siegerentwurfs zum neuen Feuerwehrhaus, dass die Feuerwehr den Termin boykottiert hatte. Kein einziger Vertreter der Wehr war zu dem Termin im Rathausfoyer erschienen. Hintergrund seien Auseinandersetzungen zwischen Feuerwehr und der Verwaltung über die Frage gewesen, wer denn – auch ohne Stimmrecht – als Sachkundiger seitens der Feuerwehr an dem Treffen der Jury teilnehmen dürfe.
Lob für Bürgermeisterin Holzmüller – auch wenn es weh tut
Haberstroh selbst hatte dabei immer wieder versucht, die Wogen zu glätten und sich auf das Wesentliche der Feuerwehrarbeit zu konzentrieren. „Ich werde nicht zurücktreten, solange mich Frau Holzmüller nicht darum bittet“, erklärt er denn auch und führt mehrere Gründe an: Zum einen verweist er auf die insgesamt herausfordernde Situation, in der die Feuerwehr vor schwierigen Entscheidungen stehe, um ihre Einsatzfähigkeit künftig sichern zu können. Darüber hinaus sieht er personelle Probleme: Er habe in den vergangenen Jahren noch niemanden aufgebaut, der seine Führungsrolle in der Feuerwehr übernehmen werde. Zuletzt ergänzt er mit dem Verweis auf die festgefahrene Situation zwischen Bürgermeisterin Holzmüller und der Feuerwehr: „Ich mute das aktuell auch niemandem zu.“
Am Freitag hatte Haberstroh bei der Versammlung der Feuerwehr Bürgermeisterin Carolin Holzmüller ausdrücklich dafür gedankt, dass sie den Anstoß für das neue Standortkonzept, den neuen Bedarfsplan und den Architektenwettbewerb zum neuen Feuerwehrhaus gegeben hatte. Ohne diesen Anstoß wären die Projekte „nicht so schnell initiiert“ worden. „Ich bin überzeugt, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind“, erklärte er, räumte allerdings auch ein, dass ihm dieses Lob „fast schon körperliche Schmerzen“ bereite. Direkt an Carolin Holzmüller gerichtet gab er ihr zu bedenken: „Dass es für Sie, Frau Holzmüller, deutlich einfacher wäre, wenn Sie statt Streit einfach Mitstreiter suchen würden.“
Querelen lenken von den Herausforderungen ab
Ärgerlich ist in den Augen von Haberstroh, dass „mein Theater mit Holzmüller“, wie er die Querelen nennt, so hohe Wellen schlägt und von den eigentlichen Herausforderungen ablenkt. Auch am Montag war es ihm in dem Zusammenhang ganz wichtig, die „richtig gute Arbeit“ zu loben, die im vergangenen Jahr von den freiwilligen Feuerwehrleuten in der Gemeinde, in Efringen-Kirchen genauso wie in den Ortsteilen, geleistet wurde. Diese Arbeit zu fördern und die passenden Strukturen zu schaffen, dass die Feuerwehr auch in einer sich ändernden Gesellschaft jederzeit Hilfe leisten könne, sei das Ziel, dem er sich verpflichtet fühle, hatte Haberstroh schon bei früheren Gelegenheiten immer wieder betont.
Dabei hat Haberstroh nie die Augen davor verschlossen, dass neue Strukturen auch eine Veränderung im Selbstverständnis der Feuerwehr, speziell in den Ortsteilen, mit sich bringen. Im Unterschied zur Verwaltung, deren Versuche, um Verständnis zu werben, in der Vergangenheit eher erfolglos blieben, gelang es Gesamtkommandant Haberstroh bisher, die teils auseinanderdrängenden Strömungen zusammenzuhalten.